Die Headline der Woche

Substantivierungen machen Headlines sperriger

„Zustimmung“ ist kein komplizierter Begriff – trotzdem sorgt dieses eine Wort dafür, dass die Überschrift schwerer verständlich ist. Substantivierungen sollten in Headlines besser nicht vorkommen, und auch sonst in Texten sparsam verwendet werden.

Sechs Worte, keines davon besonders lang oder unverständlich, und kein einziges Fremdwort: Die Headline von der Foodwatch-Webseite ist knapp, und sie sagt konkret, worum es geht. Sogar ein Verb ist enthalten. Das alles ist gut. Und trotzdem klingt die Überschrift sperrig – jedenfalls sperriger, als sie müsste.

Der Sachverhalt ist eigentlich ganz einfach: Es gab eine Umfrage, und die Mehrheit hat sich für eine Zuckerabgabe ausgesprochen. Diese Aussage, der Kern der Nachricht, gehört in die Headline. Ihre Aufgabe ist, die User auf das Thema aufmerksam zu machen, ihr Interesse zu wecken, und das am besten unmittelbar. Und so einfach wie möglich.

Substantivierungen klingen oft hölzern

Was die vorliegende Headline komplizierter macht, ist die Substantivierung. Die „Zustimmung“ ist zwar ein verständliches Wort, aber eines, das im Alltag selten benutzt wird, jedenfalls beim Sprechen. „Ich gebe meine Zustimmung zu deiner Aussage“ klingt hölzern. Viel wahrscheinlicher würden wir sagen: „Ich stimme dir zu.“

Das ist der Küchenzuruf, bezogen auf die Sprache: Es geht nicht nur darum, was wir erzählen würden, sondern auch wie. Substantivierungen machen Sprache immer komplizierter. Meistens werden sie aus einem Verb gebildet – warum dann aber nicht gleich das Verb benutzen?

Eine Dachzeile würde helfen

Viel greifbarer wären der Inhalt und damit auch die Headline, würde sie lauten: „Die Deutschen stimmen einer Zuckerabgabe zu“. Zugespitzter wäre: „Die Deutschen wünschen sich eine Zuckerabgabe“ oder „Die Deutschen fordern eine Zuckerabgabe“. „Zustimmen“ ist ein Verb mit einer schwachen Aussage, „wünschen“ ist schon stärker, in „fordern“ steckt viel mehr Dynamik und die Aussage ist stärker. Selbstverständlich muss dies auch durch die Umfrageergebnisse und den Text gedeckt sein.

Fehlt Ihnen die Information, dass es sich um eine Umfrage handelte? Hier würde eine Dachzeile helfen, ein Textteil, der zur Headline gehört und über ihr steht. Die Dachzeile hilft bei der Einordnung des Themas. Hier könnte also einfach „Umfrage“ stehen. Gibt es keine Dachzeile, könnte der Begriff vor der eigentlichen Headline stehen, getrennt durch einen Doppelpunkt: „Umfrage: Die Deutschen wünschen sich eine Zuckerabgabe“. Damit ist die Headline zwar länger als die ursprüngliche auf der Foodwatch-Seite, aber dennoch viel unmittelbarer verständlicher.

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