Die Headline der Woche

In der Headline ist weniger meistens mehr

Wenn eine Headline zu viel erreichen will, geht das meistens schief: zu viele Alliterationen, zu viele unterschiedliche Aussagen ohne Zusammenhang schrecken User ab.

Trumps Team in Turbulenzen: Was damit gemeint ist, ist nachvollziehbar. Offenbar hat der künftige US-Präsident Schwierigkeiten mit seinen Mitarbeitern. So weit, so gut. Dann folgt ein Doppelpunkt mit dem zweiten Teil der Headline als Zitat: „Stalinistische Säuberungen“. Noch eine Alliteration – und eine Aussage, die in sich zwar verständlich ist, aber ohne Zusammenhang zum ersten Überschriften-Teil bleibt.

Wer nimmt Säuberungen vor? Trump? Das Team? Und wobei eigentlich? Von wem stammt die Aussage überhaupt, wenn sie als Zitat formuliert ist? Nun beginnen die User zu grübeln. Wie passen Information 1 und Information 2 zueinander?

Die Dachzeile hilft nicht weiter

Womöglich löst ja die Dachzeile die Verwirrung auf und gibt Aufschluss über den Zusammenhang der Headline-Aussagen. Sie lautet: „Über das normale Maß hinaus“. Leider klärt dieses Detail nichts, sondern wirft nur neue Fragen auf. Worauf bezieht sich das normale Maß? Auf die Turbulenzen, oder gar auf die stalinistischen Säuberungen? Was die Abendzeitung uns Usern mit dieser Dachzeilen-Headline-Kombination mitteilen möchte, bleibt offen.

Der Autor wollte zu viel erreichen und hat von allem zu viel genutzt: Eine gute Alliterationen-Folge wäre völlig ausreichend. Und eine der beiden Hauptaussagen in der Headline würde genügen: entweder zum Team, das in Schwierigkeiten steckt, oder aber zum heftig umstrittenen Auswahlprozess der Mannschaft. Dazu passte eine neutrale Dachzeile, die kurz das Thema umreißt, etwa „Künftiger US-Präsident“ oder „Machtkampf eskaliert“.

So, wie sie jetzt formuliert ist, schreckt die Headline mehr ab als dass sie Interesse für das Thema weckt. Weniger wäre hier mehr gewesen: weniger Informationen, weniger Details, weniger Alliterationen.

 

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